Tradition und
Geschichte
Rund ums Brot: Geschichte und Tradition
Der Getreideanbau hat in Vorderasien und Nordafrika eine lange
Tradition, wurde in Europa jedoch erst um 4000 v.Chr. planvoll
betrieben. Um Korn großflächig anbauen zu können, mußten Wälder gerodet
und geeignete Felder urbar gemacht werden. Im bergigen Südtirol war das
besonders schwierig und zeitaufwendig. Deshalb wurden die ersten
Getreide-Wildformen 4500 v.Chr. der Etsch entlang gezüchtet, da die
Bestellung der feuchten Uferwiesen verhältnismäßig einfach war. Erst
nachdem größere Äcker zur Verfügung standen, bürgerten sich um 2250
v.Chr. verschiedene Kulturformen, wie etwa Dinkel, Emmer und Einkorn,
ein. Von diesen Urgetreiden konnte sich jedoch nur der Dinkel erhalten.
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Zu den frühesten Anbausorten zählt die Urform des Weizens,
der Emmerweizen, während Roggen erst um ca. 800 v.Chr. als
Unkraut seinen Weg nach Südtirol findet. Der Roggenanbau setzte
sich aber schnell durch, weil dieses Getreide viel
widerstandsfähiger und anspruchsloser ist. Die
Bodenbeschaffenheit und die klimatischen |
Bedingungen in Südtirol boten nur resistenten Pflanzen gute
Lebensbedingungen. Deshalb wurden neben Roggen und Weizen hauptsächlich
Hafer, Gerste und Buchweizen gezüchtet. Diese Getreide fanden
vielseitige Verwendung: Sie dienten der Ernährung von Mensch und Tier,
auch dann, wenn sie nicht direkt vom Feld geholt werden konnten.
Siedlungen und Dörfer wurden laufend mit frischen Nahrungsmitteln
versorgt. Nicht so die bäuerliche Bevölkerung auf entlegenen Höfen. Sie
war auf sich selbst gestellt und mußte deshalb darauf achten, daß
Lebensmittel lange haltbar blieben. Im Keller wurden Wein und Kraut in
Fässern gelagert, geräuchertes oder eingesalzenes Fleisch konnte dort
mühelos aufbewahrt werden. Unter dem Dach hingegen hortete man Korn und
Mehl, aber auch getrocknetes Fladenbrot.
| Aus den Getreidevorräten konnten im Nu nahrhaftes Mus oder
kräftige Suppen zubereitet werden. Das Brotbacken aber war
langwierig udn anstrengend, deshalb wurde der Backofen nur ein
bis zweimal im Jahr eingeheizt. Und damit dieses Brot dann auch |
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lange aufbewahrt werden konnte, buk man Fladen, um Sie anschließend auf
dem Dachboden zu trocknen. Diese Tradition hat sich in Berggebieten bis
heute fortgesetzt. Noch immer bereichern Mus und Suppe den bäuerlichen
Speiseplan, während das „Vinschgerl" und das traditionelle Schüttelbrot
weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden sind. Die ersten
Backöfen sind eine Errungenschaft der ägyptischen Kultur. Bereits um
3000 v.Chr. wurden dort verschiedenste Brotsorten in gewerblichen
Betrieben hergestellt. Von den Ägyptern übernahmen die alten Griechen,
die sich bis dahin nach sumerischer Sitte von Gerstenbrei und -brot
ernährt hatten, sowohl den Weizen als auch die Backkunst. Schon damals
stellten sie ungefähr 70 verschiedene Brotsorten her. Einen neuerlichen
Aufschwung erfuhr die Brotkultur im antiken Rom: Bereits 200 v.Chr. gab
es riesige Backbetriebe und 100 v.Chr. die ersten streng geregelten
Zünfte und Berufsschulen. Durch die Römer gelangte die Backkunst
allmählich auch nach Europa; gewerblich konnte sie sich jedoch erst im
Mittelalter so richtig durchsetzen. Von den Klöstern ausgehend
entstanden die ersten Bäckereien in den Städten, wo das Brotbacken
alsbald zum Handwerk erklärt wurde. Diese mittelalterliche Zunft ist
auch der Vorreiter unserer heutigen Bäckerinnung. Wer in Südtirol das
Bäckergewerbe erlernen will, dem wird eine solide und breitgefächerte
Ausbildung zuteil. Die Südtiroler Bäckerinnung sieht in der
Lehrlingsausbildung eine ihrer vorrangigen Aufgaben. Diese erfolgt über
eine spezialisierte Berufsschule und über die Praxis in einer Bäckerei
bis hin zur Ausbildung zum Bäckermeister.
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Die Südtiroler Bäckerinnung will außerdem die Tradition
pflegen, ohne deshalb die Zeichen der Zeit aus dem Blick zu
verlieren. Seit einigen Jahren hat sich das Ernährungsbewußtsein
der Menschen grundlegend geändert. Lebensmittel müssen vor allem
aus gesunden Zutaten und auf natürliche Weise zubereitet werden. |
In dieser Entwicklung übernimmt Südtirol eine führende Rolle. Denn in
unserer Region sind landestypische Brotspezialitäten immer schon auf
schonende Weise aus bestem Getreide und hochwertigen Mehlen hergestellt
worden.
Südtiroler Brot ist als Qualitätsprodukt ein
wesentlicher Bestandteil der lokalen Tradition. Regionale
Bäckereierzeugnisse spiegeln die Ernährungsgewohnheiten und die
Mentalität der Stammbevölkerung wieder. Nach altbewährten Rezepten und
überlieferten Produktionsverfahren werden in unserem Lande viele
traditionsreiche und ortsspezifische Brotsorten gebacken. Diese
Backwaren werden ausschließlich mit natürlichen Zutaten und nach
strengsten Hygienevorschriften gefertigt, um allen qualitativen
Anforderungen gerecht zu werden.
Südtiroler Brotsorten haben eine eigene Geschichte und einen besonderen
geographischen Ursprung. Diese typischen Eigenarten zu schützen, hat
sich die Bäckerinnung zum Ziel gesetzt. Auf ihren Antrag hin hat das
Landesamt für Handel eine Verordnung erlassen, laut der Südtiroler
Brotspezialitäten mit einem Gütesiegel versehen werden. Durch die „Südtirol"-Schutzmarke
können nunmehr lokaltypische Brotsorten von allen anderen
Backerzeugnissen unterschieden werden. Zu den schützenswerten Sorten
gehört auch der Zelten. Das Kletzen- oder Kletzelbrot erzählt wie alle
anderen Südtiroler Brotspezialitäten eine lange Geschichte. Es ist die
Geschichte von Brauchtum und alten Sitten, von Wohlstand und Armut, vom
Leben auf dem Lande und in der Stadt. Es ist die Geschichte von
Südtirol. Die Kunst des Brotbackens hat sich seit Jahrtausenden kaum
verändert. Nach wie vor wird Brot auf dieselbe Art gebacken, nach wie
vor werden dieselben Zutaten verwendet: Mehl, Wasser, Salz, Hefe oder
Sauerteig, Gewürze. Aber niemals zuvor hat es so viele verschiedene
Brotsorten gegeben! Diese Vielfalt ist dem Erfindungsreichtum der
jeweiligen Bäcker zuzuschreiben, da unterschiedliche Getreidearten,
Mischverhältnisse, Mehlqualitäten und Zutaten die Beschaffenheit und den
Geschmack der Brotspezialitäten wesentlich beeinflussen.
Entnommen mit Genehmigung von Südtirol Brot